Wärmepumpe im Altbau: Mythen und Fakten
Funktioniert die Wärmepumpe auch im unsanierten Bestand? Meistens ja – wenn drei Dinge stimmen.
„Im Altbau funktioniert keine Wärmepumpe“ – dieser Satz hält sich hartnäckig. Die Praxis und großangelegte Feldstudien zeigen ein anderes Bild: Auch in Bestandsgebäuden arbeiten Wärmepumpen zuverlässig und wirtschaftlich, wenn die Anlage richtig geplant ist.
Worauf es wirklich ankommt
1. Die Vorlauftemperatur. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Temperatur, mit der Ihre Heizkörper auskommen. Faustprobe: Wird das Haus auch dann warm, wenn die Vorlauftemperatur auf etwa 50–55 °C begrenzt ist? Dann ist es wärmepumpentauglich. Das lässt sich in einem Winter mit der vorhandenen Heizung einfach testen – oder von uns rechnerisch prüfen.
2. Die Heizflächen. Oft reichen die vorhandenen Heizkörper aus. Wo einzelne Räume knapp werden, genügt es meist, zwei bis drei Heizkörper gegen größere Modelle oder Niedertemperatur-Heizkörper zu tauschen – deutlich günstiger als eine Fußbodenheizung nachzurüsten.
3. Die Auslegung. Eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist die Grundlage jeder guten Wärmepumpenplanung – und ohnehin Fördervoraussetzung. Überdimensionierte Anlagen takten und verschleißen, richtig ausgelegte laufen leise und effizient.
Muss ich vorher dämmen?
Nein – aber es hilft. Jede Dämmmaßnahme senkt die benötigte Vorlauftemperatur und damit die Stromkosten der Wärmepumpe. Sinnvoll ist häufig die Reihenfolge aus dem individuellen Sanierungsfahrplan: erst die günstigen Hüllmaßnahmen (oberste Geschossdecke, Kellerdecke), dann die Heizung. Zwingend ist das nicht – die Wärmepumpe kann auch der erste Schritt sein.
Was kostet der Betrieb?
Die Effizienz beschreibt die Jahresarbeitszahl (JAZ): Bei einer JAZ von 3,5 erzeugt die Anlage aus 1 kWh Strom 3,5 kWh Wärme. Mit Wärmepumpen-Stromtarif und korrekt eingestellter Anlage liegen die Betriebskosten im Altbau in der Regel unter denen einer neuen Gasheizung – bei steigendem CO₂-Preis wächst der Vorsprung Jahr für Jahr.
Unsere Empfehlung: Erst rechnen, dann entscheiden. Eine Heizlastberechnung und ein ehrlicher Blick auf Ihre Heizflächen sagen mehr als jede Pauschalmeinung.